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	<title>Fabian Woloschyn &#8211; Schützenpalaver</title>
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	<description>Schützenviertel Tirol Unterland</description>
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	<title>Fabian Woloschyn &#8211; Schützenpalaver</title>
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	<item>
		<title>Die Bedeutung der Schützenfahne</title>
		<link>https://schuetzenpalaver.tirol/die-bedeutung-der-schuetzenfahne/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Fabian Woloschyn]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Jul 2021 14:57:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>
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					<description><![CDATA[von Mjr. Emmerich Steinwender (†) Ein altes Sprichwort sagt: &#8222;Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist!&#8220; Wir Schützen befinden uns in ausgezeichneter Gesellschaft, wenn wir unsere Schützenfahnen betrachten. Auf der einen Seite das Zeichen des christlichen Glaubens und auf der anderen das Zeichen unserer Heimat Tirol. Wenn wir diese [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-AT">von Mjr. Emmerich Steinwender (†)<br />
</span></span></span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-AT">Ein altes Sprichwort sagt: &#8222;Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist!&#8220; Wir Schützen befinden uns in ausgezeichneter Gesellschaft, wenn wir unsere Schützenfahnen betrachten. Auf der einen Seite das Zeichen des christlichen Glaubens und auf der anderen das Zeichen unserer Heimat Tirol. Wenn wir diese beiden Zeichen als Richtschnur für unser Leben ansehen, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Wir treten dann ein für die Treue zu Gott und für Heimat und Vaterland.</span></span></span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-AT">Die Fahne ist ein Symbol für Gleichgesinnte. Dieses Symbol hält man in Ehren, man steht dazu. Die Fahne ist aber auch ein herausragendes Zeichen einer Gemeinschaft und einer alles umfassenden Idee. Die Fahne einer Kompanie ist also ein offengelegtes Bekenntnis zu den Grundsätzen des Bundes der Tiroler Schützenkompanien und verpflichtet in besonderem Maße. Sie begleitet durch den Alltag in Freud und Leid, eigentlich durch das ganze Leben. Diese Fahne wird allen die Künderin einer Botschaft sein, sie wird mahnen, sie wird fordern und zugleich Ziel und Richtung weisen.</span></span></span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-AT">Die heute noch sehr hohe Bedeutung der Fahne und der in früheren Kriegen um sie entbrennende Kampf zeigen anschaulich, wie wichtig es war, dieses weithin sichtbare Truppenkennzeichen nicht zu verlieren, weil die Soldaten sonst desorientiert den augenblicklichen Standort ihrer Truppe nicht erkennen konnten.</span></span></span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-AT">Bevor es noch Trompetensignale gab, wurden durch Schwenken und Hochwerfen der Fahne auch Befehle an die Truppe weitergegeben.</span></span></span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-AT">Wenn wir die Truppen der k. k. Armee betrachten, so wurden den einzelnen Truppenkörpern Fahnen von &#8222;Allerhöchsten Herrschaften&#8220; verliehen. Sogar noch in der 2. Republik kann einem Truppenkörper eine Fahne nur vom Land oder Gemeinden verliehen werden.</span></span></span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-AT">Ursprünglich waren auf der Fahne das Zeichen des Staates (Doppeladler) und auf der anderen Seite meistens die &#8222;Schutzmantelmadonna&#8220; abgebildet. Für diese Aussage biete ich das Heeresgeschichtliche Museum in Wien an, in welchem viele Fahnen der alten Armee aufbewahrt sind.</span></span></span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-AT">Ab dem Jahre 1796 änderte sich in Tirol in dieser Hinsicht so manches. In den bevorstehenden Kriegswirren hat sich das Land Tirol dem heiligsten Herzen Jesu verschrieben. Als sichtbares Zeichen finden wir ab diesem Jahr als christliches Zeichen das Bildnis vom Herzen Jesu. Aber wie es halt einmal im Leben ist, gab es auch zur damaligen Zeit so manche Zeitgenossen, die nicht einverstanden waren, dass man die Gottesmutter nicht mehr auf den Fahnen hatte. Findige Köpfe fügten dann ein Medaillon im Corpus des Tiroler Adlers mit der Muttergottes und dem Jesukind ein. Ein Musterbeispiel ist dafür die Fahne von der Schützenkompanie Plans, die vom Paznauner Künstler Pfeifer dem Jüngeren um ca. 1816 stammt.</span></span></span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-AT">Aber wie schon angedeutet, ging man in Tirol immer eigene Wege. Man war nicht einverstanden, wenn auf einer Schützenfahne kein christliches Zeichen angeführt wurde. Bei der alten Wenner Fahne, die aus dem Jahre 1750 stammt und auf beiden Seiten den Reichsadler führt, hat man in dessen Brustfeld das Bildnis Mariahilf eingesetzt. Diese alte Fahne befindet sich im Schützenheim in einer Glasvitrine.</span></span></span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-AT">Die Bilder auf den Schützenfahnen sind in neuerer Zeit meistens gestickt. Früher wurden die Fahnenbilder von bekannten Malern gemalt. Die Fahne des Schützenregimentes Oberland, die am 14. August 1955 in Silz beim 1. Regimentsschützenfest gesegnet wurde, hat der akademische Maler Zötsch gestaltet.</span></span></span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-AT">Beherzte Männer hatten im Jahre 1939 und dann vor allem im Jahre 1945 alte historische Fahnen versteckt, um sie wieder nach Genehmigung der Schützen durch den französischen General Emile Bethouart (gest. 1982) mittragen zu können.</span></span></span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-AT">In seinem Testament hat General Bethouart festgelegt, dass bei seiner Beerdigung Schützenoffiziere das Sargspalier stellen und daß die Bundesstandarte der Tiroler Schützen mitzuführen sei. Leider haben es die österreichischen Medien nicht verstanden darzulegen, dass das erste Mal nach dem Jahre 1809 eine Fahnenkompanie der französischen Streitkräfte der Tiroler Bundesstandarte beim Einzug in den Invalidendom in Paris die militärische Ehrenbezeugung geleistet hat.</span></span></span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-AT">Auch in Südtirol wurde durch die Faschisten eine regelrechte Jagd nach den Schützenfahnen durchgeführt. Auch dort gab es Männer, die wertvolle Fahnen versteckten. Die älteste Fahne ist bei der Kompanie Gries, die bereits 1797 urkundlich erwähnt ist. Bereits im Jahre 1958 wurden im Bezirk Bozen-Unterland vier Kompanien gegründet; im darauffolgenden Jahr kam es dann zu weiteren neun Gründungen, sodass beim Landesfestzug 1959 in Innsbruck bereits mehrere Kompanien und Fahnenabordnungen teilnehmen konnten.</span></span></span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-AT">Die Fahne des Bundes der Tiroler Schützenkompanien stammt aus dem Jahre 1499 und ist daher älter als das Landlibell.</span></span></span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-AT">Beim Alpenregionsfest im Jahre 1982 in Brixen wurde eine eigene Alpenregionsfahne gesegnet.</span></span></span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-AT">Ich sehe das Plakat der Vierzigjahrfeier vor mir &#8211; den Schützen mit der Fahne in der Hand, aufrecht und standfest, am Fahnenblatt die Symbole von Kirche und Heimat und als Fahnenbänder das Motto: &#8222;Bekenntnis, Gemeinschaft, Tat&#8220;. Wir sagten uns, dass dieser Aufruf zur Vierzigjahrfeier des Bundes der Tiroler Schützenkompanien an uns nicht vergessen und verloren sein sollte nach all den Feierlichkeiten, dass vielmehr die Arbeit da beginne, und so sollen diese drei Imperative der Reihe nach unsere Mottos sein.</span></span></span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-AT">Ein General gab seinem Sohn, als dieser auf die Militärakademie ging, die Weisung: &#8222;Wenn du dich irgendwo länger als 24 Stunden befindest und du zeigst nicht Fahne &#8211; das heißt, man weiß dann noch nicht, welch Geistes Kind du bist -, dann hast du den falschen Beruf gewählt, dann lasse lieber deine Finger davon.&#8220;</span></span></span></p>
<p class="western"><span style="font-family: Times New Roman, serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-AT">Wer es mit der großen Schützenidee ehrlich meint, für den ist die Fahne das Zeichen für Treue, Freiheit, Gemeinschaft und echter Kameradschaft.</span></span></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Herz Jesu-Brauchtum in Tirol</title>
		<link>https://schuetzenpalaver.tirol/herz-jesu-brauchtum-in-tirol/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Fabian Woloschyn]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Jul 2021 20:39:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tradition]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Landeskurat a.D. Msgr. Josef Haselwanner Damals in der Not, unter fremder Herrschaft, in der Kriegsgefahr suchte man Hilfe bei Gott dem Herrn, man stellte sich unter seinen Schutz, man betete um Frieden und Freiheit, und als äußeres Zeichen ihres Glaubens hefteten unsere Väter das Symbol des göttlichen Herzens auf viele ihrer Fahnen. Es war [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Landeskurat a.D. Msgr. Josef Haselwanner</p>
<p>Damals in der Not, unter fremder Herrschaft, in der Kriegsgefahr suchte man Hilfe bei Gott dem Herrn, man stellte sich unter seinen Schutz, man betete um Frieden und Freiheit, und als äußeres Zeichen ihres Glaubens hefteten unsere Väter das Symbol des göttlichen Herzens auf viele ihrer Fahnen. Es war dies ein äußeres Zeichen einer inneren Haltung und Überzeugung.</p>
<p>Heute, da wir Frieden schon so lange haben wie niemals je zuvor, da können wir dies kaum noch begreifen, wir haben aber auch kaum noch Zugang zu dem, was &#8222;Herz Jesu&#8220; im tiefsten und letzten bedeutet. Die Symbole sagen uns nicht mehr allzu viel, wir verstehen sie nicht mehr, es besteht die Gefahr, dass sie wirklich nur mehr Zierrat auf alten Fahnen sind und nicht mehr brennen in den Herzen der Gläubigen.</p>
<p>Und so wäre es der Mühe und der Arbeit wert, sie wieder hereinzuholen in die Herzen der Menschen, denn in ihnen ist die Fülle und Tiefe unseres Glaubens enthalten.<br />
In diesem Bild vom göttlichen Herzen wird uns das gesagt, was Johannes in kurze Worte fasst:<br />
&#8222;Gott ist die Liebe&#8220; (1 Joh 4,16). In einer Zeit der absoluten Gläubigkeit an die Technik, die Wissenschaft und den Fortschritt, des Konsumdenkens und des Genießens. In einer Situation, in der der Mensch vereinsamt, kein Ziel mehr hat und oftmals auch keinen Sinn mehr findet, in der die Menschen verarmen (materiell und seelisch in der Welt) und Gefühlskälte immer mehr um sich greift, Herzen in der Gefühlsarmut und Gleichgültigkeit aneinander erstarren, wo Heimat- und Geborgenheitssuche vergeblich wird, hier ist wiederum Herz gefragt, oder, wie es Bischof Dr. Stecher einmal ausdrückte: &#8222;Herz müsste Trumpf sein.&#8220;</p>
<p>Nicht Herzen aus Stein, nein, solche aus Fleisch und Blut sind gesucht. Herzen, die von der Liebe nicht nur sprechen, sondern sie einfach tun. Gelebte, praktizierte Nächstenliebe, Kameradschaft, Miteinander und Füreinander, Solidarität ist gefragt.</p>
<p>All das, was Getrenntes zu verbinden und vereinen mag, was Versöhnung schafft und die Kraft besitzt, zu verzeihen und zu vergeben. Das, was bereit ist zu geben und zu schenken und zu opfern, was Vertrauen aufbaut und schenkt, Hoffnung gibt, Zuversicht und Zukunft. All das, was Sinn finden und das Ziel des Lebens entdecken lässt, was aus der Endlichkeit und Begrenztheit hinausweist in die Weiten des Lebens und der Zukunft, was den Sprung schafft vom Diesseits ins Jenseits.<br />
Was zu finden wäre in der Stille, aber auch der Lärm der Welt nicht zum Schweigen bringen kann, was wir entdecken könnten im Wort Gottes und im Gebet.</p>
<p>Um das Teilen, das Schenken &#8211; das seliger macht als das Nehmen -, um die Solidarität, die aus all unseren Abgründen, Tiefen und Bitternissen. Wir können sie finden in den Herzen der Menschen, wenn auch manchmal verschüttet und arg vernarbt. Sie leuchte uns aber vor allem auf im Herzen des menschgewordenen Gottessohnes, im Herzen Jesu.</p>
<p>Nach Johannes dem Evangelisten (19,34) hat es der Hauptmann unter dem Kreuz mit seiner Lanze geöffnet, und es floss Blut und Wasser heraus.</p>
<p>Ein Lanzenstoß ins Zentrum der Welt und der Heilsgeschichte, in das Herz des Herrn,</p>
<p>in dem die Fülle wohnt und nicht die Leere,<br />
das das Leben ist und nicht der Tod,<br />
in dem sich alle Liebe sammelt und konzentriert,<br />
in dem die Güte zu finden ist, jedoch kein Raum für Enge, Verneinung und Abgründiges.<br />
Hier im Zentrum der Welt und inmitten der Geschichte wird durch einen Menschen, der nicht weiß, die Quelle allen Heils, der Hoffnung und der Zukunft geöffnet.</p>
<p>Wasser strömt hervor, dass die Sünde der Welt abwäscht,<br />
Blut als Zeichen des Neuen Bundes, das uns Menschen für immer mit Gott verbindet.</p>
<p>Der Hauptmann unter dem Kreuz selbst, die Kirchenväter, Theologen und unzählige Christen schauen seither staunend und ergriffen auf das durchbohrte Herz Jesu.<br />
In Not und Gefahr, in Leid und Bedrängnis nahmen sie zu ihm ihre Zuflucht, und in ihm sahen sie die Quelle und das Zeugnis der unergründlichen Liebe Gottes zu uns Menschen.</p>
<p>Das durchbohrte Herz zeigt uns, wie ernst es Gott meint. In diesem geöffneten Herzen des Erlösers wird uns gesagt, dass es offensteht für alle, damit sie freudig schöpfen aus den Quellen des Heils. In diesem Herzen &#8211; dem Herzen Jesu &#8211; wird uns gesagt, dass Gott seine Liebe, die er uns einmal zugesagt, niemals mehr zurücknimmt.</p>
<p>Karl Rahner sagt in einem Gebet:</p>
<p>&#8222;Am Herzen Jesu wissen wir, wer Gott uns sein will, beglückendes Geheimnis der Liebe.</p>
<p>Wenn er uns liebt, ist alle Herzensnot von uns genommen. An seinem Herzen, in diesem Herzen wird unser Herz ruhig. Es ist da, ein Herz, an dem selbst noch Diebe und Mörder Verzeihung finden.&#8220;</p>
<p>Es ist das Herz, in dem unsere tiefsten Nächte Tage geworden sind, weil es sie mit uns getragen. Es ist das Herz, in dem sich alles in die eine Liebe verwandelt.&#8220;</p>
<p>Herz Gottes, Herz Jesu, Reichtum der Liebe, deren wir Menschen so nötig bedürfen. In diesem Herzen wird uns gesagt, dass es offensteht für alle und dass es für dieses Herz keine Grenzen und Hindernisse gibt. Herz Gottes, das Brücke ist von Gott zu uns Menschen und umgekehrt. Aber auch Brücke von Mensch zu Mensch, auf das sie eins werden und seien.</p>
<p>Herz Gottes und Herz Jesu, das uns aber auch in die Pflicht nimmt, Empfangenes und unverdient Geschenktes weiterzugeben an unsere Brüder und Schwestern, damit auch wir nicht mehr für uns selber leben, sondern füreinander und für den, dessen Herz so viele unserer Fahnen ziert,<br />
dass es von den Fahnen in unsere Herzen komme und Frucht bringe und Zeugnis gebe in Kirche und Welt.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die historische Tiroler Wehrordnung und die Entstehung der Schützen-Viertel</title>
		<link>https://schuetzenpalaver.tirol/die-historische-tiroler-wehrordnung-und-die-entstehung-der-schuetzen-viertel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Fabian Woloschyn]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Jul 2021 18:11:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Fabian Woloschyn Lt. Die Vierteleinteilung des Landes Tirol geht historisch auf das Jahr 1479 zurück. Damals hat man durch diese Maßnahme die Verteidigungsbereitschaft im Land gestärkt. Die regionalen Abgrenzungen waren im historischen Tirol allerdings andere, als heute gebräuchlich. Durch das Tiroler Landlibell von 1511 schenkte Kaiser Maximilian seinem Volke die Freiheit, ihr eigenes Land [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Von Fabian Woloschyn Lt.</p>
<p>Die Vierteleinteilung des Landes Tirol geht historisch auf das Jahr 1479 zurück. Damals hat man durch diese Maßnahme die Verteidigungsbereitschaft im Land gestärkt. Die regionalen Abgrenzungen waren im historischen Tirol allerdings andere, als heute gebräuchlich.</p>
<p>Durch das Tiroler Landlibell von 1511 schenkte Kaiser Maximilian seinem Volke die Freiheit, ihr eigenes Land zu verteidigen und das Recht, Waffen zu tragen.</p>
<p>Je nach Bedrohung konnten 10.000, 15.000 oder 20.000 Mann im Alter von 16- 60 Jahren eingezogen werden. Diese Mannschaft sollte mit guten Waffen und Gewehren ausgerüstet werden und deren Offiziere und „Feldwaibl“ sollten großteils aus den geworbenen Schützenkompanien rekrutiert werden. Diese setzen sich in Fähnlein und Kompanien zusammen. Das Kommando führte hier ein Viertelhauptmann. Diese Wehr und Landzuzugsordnung wurde in den letzten Jahrhunderten immer wieder erneuert und verbessert.</p>
<p>Die Einteilung in 18 Viertel und Distrikte organisierte die schnelle Mobilmachung im Kriegsfall an den vorgegebenen  Sammelplätzen.</p>
<p>Diese waren wie folgt eingeteilt:</p>
<p><strong><u>Viertel Burggrafenamt </u></strong></p>
<p>enthalten die Bezirke: Meran, Lana und Passeier aus dem Bezirk Bozen: Mölten und Jenesien</p>
<p><strong><u>Viertel Ober-Etsch</u></strong></p>
<p>Enthalten die Bezirke: Bozen (Stadt und Umgebung, mit Ausnahme von Mölten und Jenesien und den ehemaligen Gerichten Steinegg, Deutsch- und Welschnofen und Wangen), die Bezirke Sarntal und Kaltern (mit Ausnahme von den Gemeinden Kurtatsch abwärts)</p>
<p><strong><u>Viertel Unter-Etsch</u></strong></p>
<p>Enthalten die Bezirke: Neumarkt, Cavalese und Cembra, dann aus dem Bezirke Kaltern: Kurtatsch, Tramin und Unterfennberg; aus jenem von Mezzolombardo: Deutschmetz und Segonzano, endlich aus dem Bezirke Lavis, das ehemalige Patrimonialgericht Königsberg.</p>
<p><strong><u>Viertel Valsugana</u></strong></p>
<p>Enthalten die Bezirke: Pergine, Levico, Borgo, Strigno und Primör.</p>
<p><strong><u>Viertel Trient</u></strong></p>
<p>Enthalten die Bezirke Trient, Civezzano, Lavis (mit Ausnahme von Königsberg), Vezzano, Mezzolombardo.</p>
<p><strong><u>Viertel Welsche Confinien</u></strong></p>
<p>Enthalten die Bezirke von Arco, Riva, Tione, Stenico und Condino.</p>
<p><strong><u>Viertel Lägerthal</u></strong></p>
<p>Enthalten die Bezirke Rovereto, Nogaredo, Mori und Ala.</p>
<p><strong><u>Viertel Nons und Sulz</u></strong></p>
<p>Enthalten die Bezirke Cles, Malè, Fondo und das ehemalige Gericht Spaur.</p>
<p><strong><u>Viertel Vintschgau</u></strong></p>
<p>Enthalten die Bezirke Glurns und Schlanders.</p>
<p><strong><u>Viertel Erstes von Oberinntal</u></strong></p>
<p>Enthalten die Bezirke Reutte, Imst und Ried.</p>
<p><strong><u>Viertel Zweites von Oberinntal</u></strong></p>
<p>Enthalten die Bezirke Landeck, Silz und Telfs.</p>
<p><strong><u>Viertel Unterinntal</u></strong></p>
<p>Enthalten die Bezirke Innsbruck (Stadt und Umgebung), Mieders, Hall, Schwaz, aus dem Bezirk Rattenberg die Hofmark Lichtwehr.</p>
<p><strong><u>Viertel Wipptal</u></strong></p>
<p>Enthalten die Bezirke Sterzing und Steinach.</p>
<p><strong><u>Viertel der drey Herrschaften</u></strong></p>
<p>Enthalten die Bezirke  Rattenberg (mit Ausnahme der Hofmark Liechtwehr), Kufstein, Hopfgarten und Kitzbichl.</p>
<p><strong><u>Viertel Ober-Pustertal </u></strong></p>
<p>Enthalten die Bezirke Taufers und Enneberg (mit Ausnahme der ehemaligen Gerichte Thurn am Gader), dann aus dem Bezirk Bruneck, die ehemaligen Gerichte Michelsburg, Schöneck und Sonnenbur und den Burgfrieden &#8211; Ehrenberg zudem aus dem Bezirke Welsberg, das ehemalige Gericht Altrasen</p>
<p><strong><u>Viertel Unter-Pustertal</u></strong></p>
<p>Enthalten die Bezirke Lienz, Windisch-Matrei, Ampezzo und Welsberg (mit Ausnahme von Altrasen), dann aus dem Bezirk von Bruneck, das ehemalige Stadt- und Amtsgericht.</p>
<p><strong><u>Viertel Brixen</u></strong></p>
<p>Enthalten die Bezirke Brixen (mit Ausnahme von Rodeneck) Klausen (mit Ausnahme von Villanders), Buchenstein, Fassa und einen Teil von Enneberg.</p>
<p><strong><u>Viertel Eissack</u></strong></p>
<p>Enthalten aus dem Bezirk Kastelruth, dann aus dem Bezirk Brixen das ehemalig Gericht Rodeneck, aus dem Bezirk Klausen die ehemalige Gerichte Villanders und Gufidaun, dann aus dem Bezirk Bozen<br />
(Umgebung) die ehemaligen Gericht Steinegg, Deutschnofen und Welschnofen und Wangen.</p>
<p>Mit dem Erlass immer neuer Wehrverfassungen rückte die Einteilung in diese Viertel und Distrikte immer mehr in den Hintergrund der militärischen Pläne zur Verteidigung des Landes.</p>
<p>Letztlich im Jahre 1915 wurden durch den Kriegseintritt Italiens und der Öffnung der Südfront ähnliche Konzepte in Betracht gezogen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Rupert Wintersteller (1773-1832)</title>
		<link>https://schuetzenpalaver.tirol/rupert-wintersteller-1773-1832/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Fabian Woloschyn]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Jul 2021 17:56:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Freiheitskämpfer]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Zu den markantesten Schützenanführern in den Tiroler Freiheitskriegen 1796 bis 1809 gehört der Schützenmajor Rupert Wintersteller aus Kirchdorf i. T. Rupert Wintersteller wurde am 25. Jänner 1773 in Kirchdorf i. T. geboren. Er wollte sich seiner tapferen Vorfahren, Ur- und Großvater, wehrhaft und würdig zeigen und trat 23jährig bereits 1796 seine Schützenlaufbahn an. Noch im [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Zu den markantesten Schützenanführern in den Tiroler Freiheitskriegen 1796 bis 1809 gehört der Schützenmajor Rupert Wintersteller aus Kirchdorf i. T.</p>
<p>Rupert Wintersteller wurde am 25. Jänner 1773 in Kirchdorf i. T. geboren. Er wollte sich seiner tapferen Vorfahren, Ur- und Großvater, wehrhaft und würdig zeigen und trat 23jährig bereits 1796 seine Schützenlaufbahn an. Noch im gleichen Jahr zog er unter Hauptmann Josef Schlechter von Kitzbühel mit der ersten Scharfschützenkompanie des Gerichtes Kitzbühel ins Engadin, den Vinschgau, dann ins Etschtal, wo er die siegreichen Kämpfe bei Faedo und Calliano mitmachte. Am 12. Februar 1797 rückte er als Leutnant der Kitzbüheler Scharfschützen über den Brenner wieder ins Etschtal vor, beteiligte sich an den Kämpfen bis Salurn. Für Mut und Ausdauer erhielt der junge Leutnant Wintersteller die Große Silberne Tapferkeitsmedaille.</p>
<p>Mit gleichem Eifer nahm Rupert Wintersteller bei den Schützenauszügen im Jahre 1800 teil und kämpfte am 19., 21. und besonders 24. Dezember gegen die aus Salzburg eindringenden Franzosen bei Melleck und am Jettenberg. Für diesen mannhaften Anteil am siegreichen Abwehrkampf 1800 wurde er vom Kirchdorfer Schützenhauptmann Georg Reischer zum Oberleutnant befördert.</p>
<p>In den folgenden Jahren benützte Wintersteller jede Gelegenheit, die Kirchdorfer Schützen im Schießen eifrigst auszubilden. Er kaufte aus seinem Vermögen Gewehre, Pulver und Blei, schenkte davon viel den ärmeren Schützen. Wintersteller war im Jahre 1805 mit seinen Schützen gerüstet, die vom Feind bedrohten Landesgrenzen bei Kössen und am Pass Strub zu verteidigen.</p>
<p>Als Hauptmann der Kirchdorfer Schützen stand er im Oktober 1805 bei Kössen, eilte aber am 1. November seinem guten Kampfgefährten, Scharfschützenhauptmann Joseph Hager von Oberndorf, am Pass Strub zu Hilfe.</p>
<p>Am frühen Morgen des 2. November 1805 erfolgte der Angriff des bayerischen Generals Deroy mit großer Übermacht. Schützen und Landsturmmänner, namentlich aus Kitzbühel, unter den Hauptleuten Hager, Wintersteller und Oppacher, die St. Johanner Schützen unter Georg Reischer und die Kirchdorfer unter Hauptmann Johann Gruber, haben zwei Tage am Pass Strub im Verbande mit Militär, Graf St. Julien, Miliz, Graf Wolkenstein heldenhaft gekämpft und den Durchbruch des Feindes nach Tirol mit großen Opfern abgewehrt.</p>
<p>Der großen Siegesfreude der tapferen Freiheitskämpfer folgte bald der Preßburger Friede<br />
(26. Dezember 1805) und damit die Übergabe Tirols an Bayern. Schweigend ergab sich Rupert Wintersteller in das unverdiente Geschick und ertrug mit innerem Groll die harten Verfügungen der bayerischen Regierung. Er vergaß aber nie den Artikel 8 des Preßburger Friedens, der dem Land Tirol die Verfassung, alte Rechte und Privilegien zusicherte.</p>
<p>Schon im September 1806 besuchte ihn der ihm gut bekannte Andreas Hofer. Oft kamen Wintersteller, die Hauptleute Hager, Reischer, Oppacher und der Kitzbüheler Schützenkommandant Josef Schlechter zu geheimen Lagebesprechungen zusammen. Andreas Hofer hat zu Jahresbeginn 1809 auf seiner Hin- und Rückfahrt nach und von Wien beim &#8222;Bärenwirt&#8220; in St. Johann mit Rupert Wintersteller den Tiroler Volksaufstand vertraulich besprochen.</p>
<p>Am 11. April 1809 erhielt Wintersteller von Andreas Hofer die Nachricht: &#8222;Jetzt geht&#8217;s los!&#8220; Seine erste Aufgabe war, die bayerische Besatzung in der Stärke von 1200 Mann zu überrumpeln und gefangen zu nehmen. Dies erfolgte gleich in der Nacht zum 12. April völlig kampflos. In St. Johann wurde diese Aktion von Wintersteller mit seinen Schützen selbst durchgeführt und 180 Mann gefangengenommen.</p>
<p>Die in Kitzbühel von Schützenmajor Josef Schlechter und in der weiteren Umgebung gefangenen Soldaten &#8211; über 1250 Mann &#8211; wurden über Lofer nach Salzburg gebracht. Mit der Eskorte wurde Schützenoberleutnant Thomas Reischer betraut. Rupert Wintersteller hat auf eine humane Behandlung der unschuldig Gefangenen besonderen Wert gelegt. Dies kam ihm in der weiteren schweren Zeitfolge noch sehr zugute.</p>
<p>Das war für den Volksaufstand ein guter Anfang, aber Wintersteller sah schwere Zeiten kommen. Er setzte sich sofort mit den Schützenhauptleuten des Gerichtes Kitzbühel und mit dem Schützenkommandanten des Gerichtes Kufstein, Major J. Sieberer, in Verbindung, um für die Landesverteidigung in diesen Grenzabschnitten und Belagerung der Festung Kufstein gemeinsam alle taktischen und örtlichen Vorbereitungen zu treffen. Die Schützenhauptmänner in den Gerichtsgemeinden Kitzbühel haben Wintersteller als kampfbefähigten Anführer anerkannt, dies umso mehr, da Schützenhauptmann Joseph Hager im Jahre 1808 im Alter von 43 Jahren gestorben war. Als der k.k. Intendant von Roschmann in diesem vom Feind unmittelbar bedrohten Grenzraum Kössen eintraf, wurde Rupert Wintersteller zum Major und Distriktskommandanten der gesamten Schützen- und Landsturmmannschaften des Landgerichtes Kitzbühel ernannt. Der Schwerpunkt der Verteidigung wurde von Roschmann und Wintersteller auf die mehr offene Landesgrenze bei Kössen verlagert, weil dort durch Scheinmanöver und falsche Nachrichten der feindliche Angriff erwartet wurde. Leider ließ sich Wintersteller von der Unrichtigkeit dieser Annahme zu spät überzeugen. Auch den alarmierenden Verstärkungsbitten der Pass-Strub-Schützenkommandanten, Hauptmann Anton Oppacher, Jochberg, und Hauptmann Josef Hechenberger, Bürgermeister von Kitzbühel, wurde zuerst kein Gehör geschenkt. Erst als der Geschützdonner immer stärker vom Pass Strub her brummte, wurde der verhängnisvolle Irrtum erkannt.</p>
<p>General Wrede rückte am 11. Mai 1809 &#8211; Christi-Himmelfahrts-Tag &#8211; mit 18.000 Mann und mehreren Kanonen gegen den Pass Strub vor und griff den nur schwach besetzten Grenzpass mit überlegener Waffenwirkung an. Die tapferen Verteidiger, Oppacher und Hechenberger, haben mit einem Häuflein Schützen, Landsturmmännern und Soldaten den wütenden Ansturm des Feindes neun Stunden abgewehrt, mussten aber schließlich der großen Übermacht mit schmerzvollen Opfern (87 Tote) weichen.</p>
<p>Der Feind verlor bei diesem Angriff rund 1000 Mann an Toten und Verwundeten, rückte aber an diesem Tag noch bis Waidring vor. Oppacher und Hechenberger, auf gefahrvollen Umwegen noch in die Gegend von Waidring/Erpfendorf gekommen, unterrichteten Wintersteller und Roschmann über die überwältigende Stärke und Bewaffnung des Feindes und des aussichtslosen Widerstandes. Diese Ratschläge wurden unwillig angehört. Major Wintersteller, von Roschmann entsprechend angefeuert, sah den Kampf noch nicht verloren. Er rückte mit den noch aufgebotenen Mannschaften gegen Waidring vor und wollte bis zum Eintreffen der von Feldmarschall-Leutnant v. Chasteler und General Fenner versprochenen k.k. Truppen den vorrückenden Feind aufhalten. Zu diesem Abwehrkampf standen dem Oberkommandanten Wintersteller nur 700 Schützen, rund 1000 Landsturmmänner vom Gericht Kitzbühel, davon 200 Brixentaler, und 40 tapfere Weibsbilder von St. Johann und Kitzbühel zur Verfügung. Die bayerisch-französische Armee unter General Wrede trat am 12. Mai 1809, gegen 4 Uhr morgens, mit einer starken Streitmacht wieder zum Angriff an und rückte gegen Erpfendorf vor. Mehrere Stunden dauerte dieser Kampf der tapferen Schützen und des Landsturmaufgebotes gegen die kriegsgeübten und gut bewaffneten Feindtruppen. Auf beiden Seiten waren bittere Verluste an Toten und Verwundeten zu beklagen. Aller Mut und Kampfeswille schwand aber, als die Nachricht verbreitet wurde, Chasteler und Fenner haben sich, statt Hilfe zu bringen, aus dem Kampfgebiet abgesetzt und über Söll nach Wörgl zurückgezogen. Major Wintersteller befahl nun notgedrungen den Rückzug seiner Schützen und Landsturmmänner, der vom Schützenhauptmann Thomas Reischer, Kirchdorf, gedeckt wurde. Für Rupert Wintersteller kam der folgenschwerste und opfervollste Tag in seinem Leben. Er flüchtete vom Kampfplatz mit dem k.k. Intendanten von Roschmann auf den Aberg bei Erpfendorf. Von dort aus musste der Landesverteidiger Wintersteller die barbarische Rache des Feindes, den Untergang seines Heimatdorfes und seines eigenen Besitzes, mit ansehen. Ihm allein verbrannten 17 Gebäude, davon sein großer Gasthof und vier andere Häuser.</p>
<p>Ganz Kirchdorf war bis gegen Mittag ein Flammenmeer, aus dem wie durch ein Wunder nur mehr der völlig unversehrte Kirchturm emporragte. Dabei musste Wintersteller auch um das Leben seiner Familie bangen, die er erst nach mehreren Tagen fand. Er musste mit seinen treuen Mitkämpfern in den Bergen herumirren und war gezwungen, das abgebrannte Dorf zu meiden, da der Feind auf seinen Kopf einen Blutpreis von 100 Dukaten gesetzt hatte. Er konnte sich aber ohne Furcht vor Verrat auf den naheliegenden Almen aufhalten und fühlte sich gesichert durch die ihm gezollte Achtung und Liebe seiner Landsleute. Wintersteller fasste wieder Mut und schrieb scherzend an Andreas Hofer, dass er froh sei, die von seinem Urgroßvater erbeutete bayerische Trommel aus dem Jahre 1703 gerettet zu haben.</p>
<p>Von Andreas Hofer erhielt Wintersteller am 31. Mai 1809 aus Rattenberg den Befehl, sich eiligst nach Kössen und Walchsee zu begeben, um die feindliche &#8222;Retirade&#8220; zu verhindern. Er übernahm das Oberkommando über das neuerliche Schützenaufgebot des Gerichtes Kitzbühel und erkundete die bedrohte Lage im ganzen Grenzgebiet jetzt mit Schwerpunkt Pass Strub. Als nach dem Waffenstillstand von Znaim Marschall Lefebvre am 27. Juli 1809 mit einer starken Streitmacht von 15.000 Franzosen, Bayern und Sachsen an den Pass Strub heranrückte, ließ Wintersteller im Einvernehmen mit den entsandten Parlamentären die &#8222;Lefebvre Truppen&#8220; unbehelligt durchziehen, da in dieser Situation ein Abwehrkampf der auf sich allein gestellten Schützen- und Landsturmkompanien des ohnehin schon schwer heimgesuchten Gerichtsbezirkes Kitzbühel aussichtslos gewesen wäre. Dieser Kapitulationsentschluß trug Wintersteller bei Andreas Hofer zwar kein besonderes Lob ein.</p>
<p>Am 24. September 1809 marschierten 4300 Tiroler Schützen an die wieder bedrohte Kitzbüheler Gerichtsgrenze. Die Inn- und Brixentaler Schützen kommandierte Major Speckbacher, der über Lofer nach linken vorrückte. Wintersteller marschierte mit seinem Schützenaufgebot von Kössen über Winkelmoos in die Angriffsrichtung Unken, wo er am nächsten Tag im erbitterten Kampf um den Friedhof eine seiner größten Waffentaten vollbrachte.</p>
<p>Am 14. Oktober überantwortete der Wiener Friede das Land Tirol an Bayern. Eine Kriegsmacht von 25.000 Mann rückte gegen das Tiroler Unterland heran. Wintersteller, der die schreckliche Lage erkannte, war für die Fortsetzung des Kampfes nicht mehr zu haben, versuchte mit Oppacher auf die Schützen beruhigend einzuwirken und bewahrte so die Gegend vor weiterem Blutvergießen und schweren Gewalttaten. Er selbst flüchtete zu seinem Waffenkameraden Oppacher nach Jochberg. Beide mussten sich am 9. Dezember 1809 einem Kriegsgericht stellen, wurden aber freigesprochen, da sie nach dem letzten Friedensschluss nicht mehr gekämpft haben.</p>
<p>Schützenmajor Rupert Wintersteller, früher der reichste Mann des Dorfes, war durch die Vernichtung seiner 17 Häuser (12. Mai 1809) ein Bettler geworden. Die goldene Kette und Medaillen der Vorfahren musste er verkaufen, um noch leben zu können. Die Erschießung Andreas Hofers traf ihn zutiefst, er war ein seelisch gebrochener Mann. Bei einer Kaiseraudienz in Wien im September 1810 erhielt Wintersteller für sich und die Hinterbliebenen gefallener Schützen 10.000 Gulden. Nach dem für Napoleon und seine Verbündeten unglücklichen Feldzug in Russland befürchtete Bayern eine neuerliche Volkserhebung in Tirol. Aus diesem Grunde wurden auch die bekannten Schützenanführer in Haft genommen. So wurde auch Wintersteller in Ketten gelegt, zuerst nach München und dann weiter nach Ingolstadt gebracht. In der dortigen Festungshaft musste er 216 Tage verbringen, immer den Hinrichtungstod und die Sorge um seine Familie vor Augen. Erst als Bayern am 13. Oktober 1813 von Napoleon abfiel und sich auf die Seite der Alliierten stellte, erwirkte Kaiser Franz im Vertrag von Ried mit Bayern seine Freilassung.</p>
<p>Am 8. Juni 1815 konnte Major Wintersteller dem Kaiser Franz bei seiner Durchreise in St. Johann die große Schützenparade mit 1400 Mann gehorsamst melden. Bei diesem Anlass kündigte ihm der Monarch die Verleihung der &#8222;Großen Goldenen Medaille&#8220; an, die ihm dann am 16. Juli 1815 in der Stadtpfarrkirche in Schwaz zugleich mit Major J. Speckbacher und Hauptmann J. Rainer, Söll, verliehen wurde. Am 19. Oktober 1815 kommandierte Wintersteller noch einmal die Schützen des Landgerichtes Kitzbühel bei der großen Tiroler Schützenparade mit 10.000 Mann vor dem Kaiser in Innsbruck.</p>
<p>Im Jahre 1819 erhielt Major Rupert Wintersteller eine jährliche Pension von 400 Gulden. Nach langem Siechtum verstarb Rupert Wintersteller, Vater von acht Kindern, am 30. August 1832 im Alter von 58 Jahren. Er wurde neben der Friedhofskapelle zu Kirchdorf in allen Ehren begraben. Ein einfacher Stein soll die Nachwelt an diesen großen Tiroler Freiheitshelden erinnern. Am Ortseingang von Kirchdorf steht das im Jahre 1901 errichtete Denkmal der wehrhaften &#8222;Wintersteller Schützengeneration&#8220; von 1703, 1741/42, 1796 bis 1809, das am 15. September 1901 unter der Patronanz von Erzherzog Eugen enthüllt wurde. Damit wurde dem Unterinntaler Landesverteidiger Wintersteller die gebührende Ehre erwiesen.</p>
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		<title>Josef Speckbacher (1767-1820)</title>
		<link>https://schuetzenpalaver.tirol/josef-speckbacher/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Fabian Woloschyn]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Jul 2021 17:44:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Freiheitskämpfer]]></category>
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					<description><![CDATA[Unter den zahllosen Helden aus der Zeit der Tiroler Freiheitskämpfe stand Josef Speckbacher mit unter den ersten. Ja, was Kühnheit, rasche Erfassung der Lage und der zu treffenden Maßnahmen sowie Schlauheit anbelangt, suchte er seinesgleichen. In ihm steckten in Wahrheit Gaben, die einem richtiggehenden Feldherrn alle Ehre gemacht hätten, gepaart mit einer ungewöhnlichen persönlichen Tapferkeit [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Unter den zahllosen Helden aus der Zeit der Tiroler Freiheitskämpfe stand Josef Speckbacher mit unter den ersten. Ja, was Kühnheit, rasche Erfassung der Lage und der zu treffenden Maßnahmen sowie Schlauheit anbelangt, suchte er seinesgleichen. In ihm steckten in Wahrheit Gaben, die einem richtiggehenden Feldherrn alle Ehre gemacht hätten, gepaart mit einer ungewöhnlichen persönlichen Tapferkeit und Kraft.</p>
<p>In der großartigen Natur des Gnadenwaldes wuchs dieser Held in ärmlichen Verhältnissen einer kinderreichen Kleinbauernfamilie zu St. Martin heran. Der Vater musste sich ordentlich schinden und abraggern, um die hungrigen Mägen seiner acht Kinder halbwegs zu füllen. Mit der Schulbildung des jungen Josef stand es nicht am besten, und erst in späteren Jahren musste er sich die nötigen Kenntnisse im Lesen und Schreiben aneignen. Noch als Knabe verlor er seine Eltern und musste nun trachten, sich durchs Leben zu bringen: Er besorgte durch Jahre hindurch das Geschäft eines Hirten und hatte so frühzeitig Gelegenheit, die Gegend kennenzulernen und über allerlei Dinge nachzudenken. Früh erwachte in ihm auch jene Leidenschaft, die man in Tirol auch heute noch antreffen kann, der unwiderstehliche Drang zum Wildern.</p>
<p>Herangewachsen, überragte Speckbacher die jungen Leute seiner Heimat und einer weiten Umgebung durch seine körperlichen und geistigen Vorzüge. Hoch und schlank gewachsen, ausgestattet mit feurigem Adlerblick und kühn geschwungener Adlernase, war er als der beste Robler weitum bekannt und als Wilderer gefürchtet. Gerade sein Hang zum Wildem führte ihn in die abgelegensten Teile des Hochgebirges hinein und verschaffte ihm Ortskenntnisse, die er später so unvergleichlich auch zu nützen verstand; diese Beschäftigung entwickelte in ihm auch die unerhörte Kühnheit. Mit 27 Jahren begründete Speckbacher durch die Heirat mit einer Bäuerin aus Rinn seinen eigenen Hausstand in diesem lieblich gelegenen Dorf. Durch seine Tüchtigkeit gewann sich der neue Bürger gar bald die Zuneigung und das Vertrauen der Gemeinde; auch der Umstand, dass Speckbacher die Stelle eines Aufsehers in der Sahne zu Hall versah, festigte seine wirtschaftliche Stellung. Da kamen die Stürme der Freiheitskriege, und in ihnen erglänzte der Mann von Rinn in besonders strahlendem Lichte: da konnte er seinem Vaterlande unschätzbare Dienste erweisen. Auf den Höhen von Spinges erhielt unser Held unter dem Kommando des Hauptmanns von Wörndle seine Feuertaufe. Im Jahre 1805 lernte er den Sandwirt gelegentlich eines Pferdemarktes in Sterzing kennen. In den nun folgenden Jahren der bayrischen Herrschaft zählte Speckbacher zu den eifrigsten Patrioten, und im Jahre 1809 war er der hervorragendste Waffengefährte des Sandwirtes.</p>
<p>Trotz allem Ungemach, das über das Land hereingebrochen war, verlor Speckbacher den Kopf nicht. Mit Hofer überdachte er den Gegenschlag gegen die Feinde und brachte ihn auch zur Ausführung in jenen berühmten Maitagen, da feindlicher Übermut sich an den Hängen des Bergisels unter dem Ansturm der von Hofer, Speckbacher und Haspinger geführten bäuerlichen Sturmscharen brach.</p>
<p>In den Augusttagen war Speckbacher in der Sachsenklemme, bei der Verfolgung der zurückflutenden Truppen des Feindes über den Brenner, endlich wieder als Kommandant des rechten Tiroler Flügels in der Bergiselschlacht hervorragend vertreten. Als dann in der zweiten Oktoberhälfte abermals eine noch größere feindliche Armee in unsere Berge einrückte, da stellte sich ihr Speckbacher mit geringer Macht bei Mellek nördlich vom Pass Strub entgegen und focht mit der Tapferkeit des Löwen, obwohl er gleich zu Beginn des Kampfes von allen Seiten umschlossen war; bereits blutete der Held aus mehreren Wunden und war schon von den Feinden, am Boden liegend, umringt; da entriss er sich in geradezu übermenschlicher Anstrengung den ihn umklammernden Feinden.</p>
<p>Speckbacher focht auch in der Bergiselschlacht am Allerheiligentag wieder als Führer des rechten Flügels; aber seine Erfolge konnten die allgemeine Niederlage nicht mehr aufhalten. Auch in den nun folgenden trüben Novembertagen hielt Speckbacher treu an Hofers Seite aus, bis er endlich unter dem Eindruck der allgemeinen Niederlage flüchten musste. Ein Preis von 700 Gulden sollte den Feinden den &#8222;Feuerteufel&#8220; in die Hände liefern. Wie ein Wild gehetzt, musste Speckbacher von Sennhütte zu Sennhütte. Wegen des tiefen Schnees konnte Speckbacher an eine Flucht nach Österreich nicht denken. Fortwährend musste er seinen Aufenthaltsort wechseln. Durch Wochen musste er sich in einer Felsenkluft bei grimmiger Kälte und sehr spärlicher Nahrung aufhalten, da geriet er auch noch in eine Schneelawine; sie riss ihn in eine Schlucht hinunter. Mit verrenktem Hüftbein schleppte sich Speckbacher in siebenstündigem Marsch zu einem vertrauten Bauern, von wo man ihn heimlich auf seinen Hof in Judenstein brachte, hier verbrachte er wieder Wochen in der Düngergrube seines Kuhstalles; nicht einmal seine Familie durfte von dem Versteck des Helden wissen, das ihm der treue Knecht Zoppel bereitete; noch weniger aber hatten die in Speckbachers Haus einquartierten bayrischen Soldaten eine Ahnung davon, wie nahe der von ihnen gesuchte Feuerteufel ihnen sei. Endlich nach dem Abzug der feindlichen Truppen aus seinem Haus machte sich Speckbacher auf den Weg nach Österreich, wo er beim Kaiser freundliche Aufnahme fand.</p>
<p>Vom Kaiser mehrfach ausgezeichnet und zum Major ernannt, wartete Speckbacher sehnsüchtig auf den Tag, an dem Tirol 1814 wieder zu Österreich kam und kehrte sofort in die Heimat zurück. Seine Verdienste um die Befreiung des Landes fanden allseitige Anerkennung. Der Kaiser gewährte ihm eine Jahrespension von 1000 Gulden und ließ ihm 1815 vom Kreishauptmann in der Pfarrkirche zu Schwaz eine goldene Medaille und Kette überreichen. Der k. k. Professor an der Oberrealschule zu Innsbruck Ernst Kiechl berichtet uns 1912 in der Jahrhundertgabe für das Volk &#8222;Anno Neun&#8220; im Band über &#8222;Speckbacher&#8220; weiter:</p>
<p>Nur mehr zu freudigen Gelegenheiten zog Speckbacher seinen Säbel. Im Oktober des Jahres 1816 reiste Kaiser Franz nach Italien. Während seines Aufenthaltes in Innsbruck, den die treuen Tiroler so festlich als möglich gestalteten, führte Speckbacher dem Monarchen ein Aufgebot von 10.000 Schützen vor. Vor all diesen Tausenden von braven Tirolern wurde Speckbacher vom Kaiser geehrt. In huldvollster Weise belobte er ihn ob seines Mutes und seiner Tapferkeit. Und noch einmal, ein Jahr später, als der Kaiser zur Entgegennehme der Huldigung Tirols nach Innsbruck kam, führte Speckbacher das Oberkommando über die ausgerückten Schützen.</p>
<p>Den schier eisernen Mann hatten die Verwundung bei Mellek und die weiteren Schicksalsschläge körperlich und geistig gebrochen. So gerne er arbeitete, so energisch er die Bewirtschaftung seines Gutes wieder in die Hand genommen hatte, er konnte der schweren Arbeit eines Landmannes nicht mehr nachkommen. Er verkaufte deshalb sein Gut und zog mit Gattin und Kindern nach Hall.</p>
<p>Jahre der Ruhe und Zufriedenheit lebte noch der wackere Mann im Kreise seiner Familie, aber es waren nicht mehr viele Jahre, die das Schicksal ihm beschieden hatte. Eine tückische Nierenkrankheit, die die Ärzte auf die bei Mellek erhaltenen Kolbenstöße zurückführten, beendete sein Leben am 28. März des Jahres 1820. Der Mann von Rinn, der Bauernführer, fand eine allzeit dankbare Nachwelt. Das beweist die übergroße Zahl von Trauergästen, die ihm das letzte Geleit zum Friedhof von St. Nikolaus in Hall gab, das beweist die bewundernd ergebene Jetztzeit.</p>
<p>Seine Ruhestätte ward dem Helden zunächst an der Pfarrkirche zu Hall. Der Denkstein dortselbst führte folgende Inschrift:</p>
<p>Im Kriege wild, doch menschlich auch, Im Frieden still und den Gesetzen treu, War er als Krieger, Untertan und Mensch, Der Ehre und der Liebe wert.</p>
<p>1858 wurden über Anordnung Kaiser Franz Josephs die Gebeine des Helden exhumiert und an der Seite Andreas Hofers in der Hofkirche zu Innsbruck beigesetzt. Die ursprüngliche Inschrift, die inzwischen entfernt wurde, da für alle Freiheitskämpfer eine einheitliche Marmortafel angebracht wurde, hatte folgenden Wortlaut:</p>
<p>Josef Speckbacher k. k. Landesschützen-Major</p>
<p>geb. im Gnadenwald 13. Juli 1767<br />
gest. zu Hall 28. März 1820</p>
<p>unter den treuen Kämpfern des Jahres 1809 hervorragend durch rastlose Tapferkeit. Die Gnade des Kaisers Franz Joseph I. gab ihm eine ehrende Ruhestätte bei seinen Kampfgenossen Hofer und Haspinger.</p>
<p>Das Andenken an den ruhmreichen Helden pflegen in erster Linie die Speckbacher-Schützenkompanien im Bezirk Hall.</p>
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